Selbsthilfe für gutes Wohnen feiert Jubiläum

"Bald gibt's das erste Sparbuch", versprach die Hauszeitung im Mai 1989. Kurz zuvor hatte die Freie Scholle vom Bundesaufsichtsamt für das Kreditwesen die Erlaubnis für den Betrieb einer eigenen Spareinrichtung erhalten. Am 12. Juni konnte sie dann das erste Sparbuch ausstellen. Schon im Oktober war die Zahl der Scholle-Sparer auf 1.000 angestiegen.

1989 hatte die Freie Scholle zum zweiten Mal eine Spareinrichtung eröffnet. Bereits 1928 hatte die Genossenschaft eine alte Idee der Genossenschaftsbewegung aufgegriffen und eine Spareinrichtung gegründet. Ziel der ersten wie auch der zweiten Gründung war es, das Kapital für die ehrgeizigen Bauvorhaben der Freien Scholle einzusammeln. Ging es 1928 um die Finanzierung der Siedlung Im Siekerfelde, benötigte die Freie Scholle 1989 das Kapital für die umfassenden Modernisierungsmaßnahmen am Hartlager Weg und an der Spindelstraße. Die Verwendung öffentlicher Mittel stand wegen der Förderbedingungen zu dieser Zeit nicht mehr zur Diskussion.

Dabei ist das Prinzip der Spareinrichtung denkbar einfach. Je mehr Spareinlagen die Mitglieder hier anlegen, umso mehr Bankhypotheken kann die Freie Scholle durch zinsgünstigere Spareinlagen ersetzen. Zu Beginn der 1990er Jahre waren die Zinsen für Hypotheken erheblich höher als die Zinsen der Spareinrichtung. Durch die Spareinrichtung sparte die Freie Scholle erhebliche Summen, die sie in die Modernisierung ihrer Wohnungen investieren konnte.

Gleichzeitig kann die Genossenschaft ihren Sparern attraktive Konditionen anbieten. „Auf diese Weise profitieren unsere Sparer doppelt: Sie erhalten nicht nur gute Zinsen, sondern durch die laufende Verbesserung der Wohnqualität auch gutes Wohnen zu angemessenen Nutzungsgebühren", erklärt Vorstandsmitglied Michael Größlich.

Für die Geschäftspolitik der Freien Scholle ist die Spareinrichtung inzwischen zu einem unverzichtbaren Instrument geworden. Größlich betont: "Rund ein Drittel unserer Bautätigkeit im Bereich von Modernisierung und Neubau haben wir über die Jahre mit Hilfe unserer Spareinlagen finanziert. Allein im letzten Jahr haben wir rund 17 Millionen Euro investiert."

Das sei nur möglich gewesen, weil sich die Spareinrichtung entgegen den Trend hervorragend entwickelt hat. So seien die Spareinlagen trotz der derzeit sehr niedrigen Zinsen um 4,3 auf 74,7 Millionen Euro angestiegen.

"Die Spareinrichtung sichert die Unabhängigkeit unserer Genossenschaft vom Kapitalmarkt", erklärt Größlich. Voraussetzung dafür sei, dass die Mitglieder sich "zu hundert Prozent" auf die Sicherheit ihrer Geldanlage verlassen können. "Jeden Euro, den unsere Sparer bei uns anlegen, investieren wir sicher und solide in unseren Hausbesitz."


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