Historisches - 1930er Jahre

Die politischen Auseinandersetzungen am Ende der Weimarer Republik hatten vor den Siedlungen der Freien Scholle nicht halt gemacht. Dafür waren die Genossenschaftsmitglieder viel zu sehr mit den politischen Parteien der Arbeiterbewegung verbunden. Schlägereien zwischen den Mitgliedern der Eisernen Front und der SA waren keine Seltenheit. Nach der Machtübernahme durch die Nazis kam es darüber hinaus in den Siedlungen der Freien Scholle immer wieder zu Provokationen und Razzien von Polizei und SA-Truppen.

Um ihre Macht gerade auch im Arbeiterviertel der Stadt zu demonstrieren, hielten die neuen Machthaber die Großkundgebung zum 1. Mai 1933 in den Heeper Fichten ab. Da das Friedrich-Ebert-Haus seit seiner Fertigstellung auch Ausgangspunkt des Widerstands der Arbeiterorganisationen gegen den aufziehenden Nationalsozialismus war, wollten die Nazis mit der Umbenennung des Gemeinschaftshauses ein weiteres Zeichen setzen. Um gewalttätige Auseinandersetzungen zu verhindern, hatte sich der Vorstand der Freien Scholle jedoch am 27. April entschlossen, das Friedrich-Ebert-Haus in „Fichtenhof“ umzubenennen.
Erst am 1. Mai 1984 sollte das Traditionshaus der Genossenschaft seinen ursprünglichen Namen in einem Festakt vom späteren Bundespräsidenten Johannes Rau zurückbekommen. Für die Gaststätte ist der Name „Fichtenhof" dagegen bis heute erhalten geblieben und erinnert damit an die bewegten Zeiten für die Genossenschaft.

In der Generalversammlung am 25. Juni 1933 wurde die Freie Scholle wie alle anderen Organisationen der Arbeiterbewegung gleichgeschaltet. Die SA marschierte vor dem Fichtenhof auf, uniformierte Polizei hielt sich in der von 400 Mitgliedern besuchten Versammlung ebenfalls auf. Als zu Beginn der Versammlung der Vorstand für abgesetzt erklärt wurde, kam es zu Tumulten. Aus Protest versuchten viele der anwesenden Mitglieder, aus dem Saal zu gelangen. Draußen wurden sie aber von der SA unter vorgehaltener Waffe gezwungen, in die Versammlung zurückzukehren.

Politisch aktive Mitglieder hatten mit Verhören, Verhaftungen und der Internierung im Konzentrationslager zu rechnen. Einige ließen für ihre Überzeugung ihr Leben.
Zwangsläufig hatte die Wohnungspolitik der Nationalsozialisten Auswirkungen auf den Wohnungsbau der Freien Scholle. War es bis dahin Ziel der Genossenschaft gewesen, für ihre Mitglieder qualitativ hochwertige und bezahlbare Wohnungen zu bauen, ging man nun zum deutlich minderwertigeren „Volkswohnungsbau" über. Gemeinschaftseinrichtungen wurden nicht mehr vorgesehen. Aus Kostengründen wurde zum Teil auch auf den Einbau von Bädern verzichtet. Mit dem genossenschaftlichen Reformwohnungsbau der Vorjahre hatten diese Häuser nichts mehr gemein.

Wegen des Krieges standen nicht mehr genügend Bauarbeiter zur Verfügung, und auch Baumaterial war nicht mehr ausreichend vorhanden. 1940 erließ der Staat dann ein Neubauverbot. In den folgenden Jahren blieb die Freie Scholle von den Bombenangriffen auf Bielefeld nicht verschont. Im Vergleich zur übrigen Stadt fielen die Schäden im Wohnungsbestand mit 67 schweren und Totalschäden allerdings eher gering aus. Mit der Befreiung Bielefelds am 4. April 1945 hatte auch die nationalsozialistische Zeit in der Freien Scholle ihr Ende. Der amtierende Geschäftsführer der Nazis wurde verhaftet und am 7. Mai vom Aufsichtsrat fristlos entlassen. Damit war der Weg dafür frei, dass die Freie Scholle zu ihren genossenschaftlichen Wurzeln zurückkehren und ihre ganze wirtschaftliche Kraft in den Wiederaufbau stecken konnte.


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