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29.06.2009

Wohn- und Altenberatung als Ansprechpartner

Demenz in der Nachbarschaft

Weil immer mehr Menschen immer älter werden, gewinnt das Thema Demenz zunehmend an Bedeutung. Angehörige und Nachbarn reagieren dann allerdings oft hilflos.

Dabei ist ein frühzeitiges Erkennen der Krankheit wichtig“, betont Diplom-Pflegewirt Rüdiger Noelle vom Evangelischen Krankenhaus Bielefeld. Heute haben Männer eine durchschnittliche Lebenserwartung von 76,9 Jahren, Frauen sogar von 82,3 Jahren. „Folglich ist der Anteil der Hochbetagten in der Bevölkerung deutlich gestiegen, und Demenzerkrankungen treten sehr viel häufiger auf als in der Vergangenheit.“

„Im Umgang mit älteren Mitbürgern treffen wir daher immer auch auf Menschen, die offensichtlich aufgrund einer psychischen Erkrankung mit den Dingen des alltäglichen Lebens nicht mehr gut zurecht kommen“, sagt der Experte für Demenzerkrankungen. Die Ursachen psychiatrischer Störungen sind im Alter besonders vielfältig. Neben körperlichen Erkrankungen spielen altersbedingte Veränderungen des Organismus, aber auch psychische Belastungen sowie häufig im Alter auftretende Belastungen wie der Verlust von nahe stehenden Personen, Einsamkeit und zunehmender Unterstützungsbedarf eine große Rolle.

 

Anzeichen für eine Demenz beachten

 

Allerdings sei es zu Beginn eines solchen Krankheitsverlaufs häufig schwer, zwischen „normalen“ Alterserscheinungen und krankhaften Entwicklungen zu unterscheiden. „Aber“, betont Noelle, „Demenz ist nicht nur Vergessen! Und auch Depressionen im Alter sind ebenfalls kein Indiz dafür.“ Dennoch gebe es Hinweise, die auf eine Demenzerkrankung schließen lassen.

Charakteristisch für demente Entwicklungen sind außerdem Orientierungsstörungen. „Ein Mensch mit einer dementen Entwicklung fragt zum Beispiel nach Besuch der Ehefrau, obwohl diese aber schon seit einiger Zeit verstorben ist.“

Auch innerhalb der Wohnung seien Auffälligkeiten festzustellen. So könne es beispielsweise vorkommen, dass der Blumenstrauß verkehrt herum in der Blumenvase stehe oder ein Holzbrett auf der Herdplatte abgelegt wird. „Wer so etwas in seiner Nachbarschaft beobachtet, sollte sich auf jeden Fall an die Familie des Betroffenen oder an die Wohn- und Altenberatung der Freien Scholle wenden“, so Noelle.

Gerade in der Anfangsphase des Krankheitsverlaufs falle oft auf, dass sich demenzerkrankte Menschen nicht erklären können, wie sie an ihren Aufenthaltsort gekommen sind. Noelle: „Das verursacht natürlich bei den Betroffenen enorme Ängste. Angehörige, Freunde oder auch Nachbarn sollten deshalb in einer solchen Situation sehr behutsam reagieren.“

Durchaus typisch sei auch der langsame Beginn der Krankheit. Erste Anzeichen liegen in der Regel schon länger als ein Jahr zurück. Zu beobachten sei auch, dass Demenz-Patienten eine große nächtliche Unruhe zeigen.

Auffällig ist des Weiteren eine gleichmäßige Verminderung der Leistungsfähigkeit. „Rückschlüsse sind beispielsweise im Rahmen der Körperpflege möglich“, erklärt Rüdiger Noelle weiter. So lege ein dementer Mensch aufgrund seiner Defizite seine Kleidung schon einmal in falscher Reihenfolge an.

Schließlich sei zu beobachten, dass demente Patienten ihre Gedächtnisverluste bagatellisieren und nach Strategien suchen, um diese zu kompensieren. Dabei komme es vor, dass sie sich in ihrer Leistungsfähigkeit überschätzen. „Welche Verzweiflung diese Erkenntnis bei den Betroffenen auslösen muss, kann man sich gut vorstellen.“

 

Sozialarbeiter als

Ansprechpartner

 

Umso wichtiger ist eine rechtzeitige und fachgerechte Behandlung. Zwar könne die Medizin die Krankheit nicht heilen, ihren Fortschritt aber doch um ein oder zwei Jahre verzögern. So stehen für die Behandlung einer Demenzerkrankung je nach Erfordernissen verschiedene Konzepte und Möglichkeiten zur Verfügung, aus denen gemeinsam mit dem Patienten ein individueller Therapieplan erstellt wird. Zusätzlich gibt es ein umfangreiches Beratungsangebot für Patienten und Angehörige.

„Beobachtet man in seiner Nachbarschaft – beispielsweise bei einer alleinstehenden älteren Person – die genannten Auffälligkeiten, ist das natürlich ein heikles Thema. Oft weiß man nicht, wie man mit dieser Situation umgehen soll“, gesteht Noelle zu. „Aber die Mitglieder der Freien Scholle sind in der glücklichen Lage, auf die Wohn- und Altenberatung zurückgreifen zu können.“ Deren Sozialarbeiter verfügen nicht nur über entsprechende Erfahrungen, sondern sie wissen auch, wo man Hilfe und medizinische Betreuung bekomme. Dieses Angebot sollte man unbedingt nutzen.

 



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