15.12.2009
„Die Freie Scholle zukunftsfest machen.“
Genossenschaftskonferenz 2009 in Haus Neuland:
Die tief greifenden Veränderungen, die sich gegenwärtig in Wirtschaft und Gesellschaft vollziehen, werfen eine Vielzahl von Fragen auf. Erste Antworten für die Freie Scholle suchte die Genossenschaftskonferenz am 13. und 14 November in Haus Neuland. 99 Delegierte der elf Siedlungsräte diskutierten über die Zukunft des Wohnens in ihrer Genossenschaft.
Unter der Motto „Die Freie Scholle wird bunter – was nun?“ erörterten Vertreter, Bezirkssprecher und erstmals auch Kinder- und Jugendbeauftragte, wie die Freie Scholle auf die zu erwartenden Veränderungen reagieren will. Ihr Fazit: Die Genossenschaft verfügt über ein sehr gutes Potenzial, um die Herausforderungen zuversichtlich angehen zu können.
Wichtig sei es, die Interessen der heutigen Mitglieder genauso zu berücksichtigen wie die Wohnbedürfnisse zukünftiger Mitglieder, hatte der Vorsitzende des Aufsichtsrats Thomas Preuth in seinem Grußwort zu Beginn der Konferenz erklärt. „Das ist durchaus ein schwieriger Spagat. Allerdings müssen wir rechtzeitig auf den Wandel reagieren, damit die Freie Scholle auch in Zukunft ‚unsere Scholle’ bleibt.“
Dies bestätigte der Vorstandsvorsitzende der Freien Scholle Bernhard Koppmann. Er erinnerte aber auch daran, dass die Freie Scholle einen solchen Prozess nicht zum ersten Mal erlebe: „Bedenkt man, dass die Freie Scholle im Jahr 2011 hundert Jahre alt wird, dann wird jedem klar, dass sich unsere Genossenschaft bis heute ständig und sehr erfolgreich verändert hat.“
Zurzeit bestimmen der demografische Wandel, die wirtschaftlichen Veränderungen infolge der Bankenkrise und Globalisierung und der politischen Umbruch die gesellschaftliche Entwicklung, so Koppmann weiter. Fachleuten zufolge sind darüber hinaus weitere Trends zu beobachten, die das Wohnen und Leben bestimmen.
So sei beispielsweise die Entwicklung von der Selbstverwirklichung hin zum Egoismus auf allen Ebenen des gesellschaftlichen Lebens mehr oder weniger ausgeprägt zu finden. Gleichzeitig sei festzustellen, dass die Bereitschaft zur Übernahme von sozialer Verantwortung zurückgehe. Bedingt durch weitgehend gute ökonomische Sicherheit habe sich zudem eine Vielfalt an Lebensstilen herausgebildet.
„Strategien für den Wandel entwickeln“
Allerdings veränderten sich diese Trends laufend. So sei kürzlich festgestellt worden, dass gerade junge Menschen in der gegenwärtigen Krise wieder mehr zusammenrücken: „Die unlängst noch verpönten Nachbarschaften werden wieder wichtiger. Es wächst wieder die Erkenntnis, dass solidarisches Handeln dem Einzelnen nachhaltige Vorteile verschaffen kann.“
Während die Gesellschaft sehr viel „bunter und vielfältiger“ werde, habe sich die Wohnungswirtschaft zudem mit den veränderten Marktbedingungen auseinanderzusetzen, die von steigender Fluktuation, Leerstand, gestiegenen Betriebskosten und verschärftem Wettbewerb geprägt sind.
„All diese Veränderungen machen natürlich auch vor der Freien Scholle nicht halt. Umso wichtiger ist es, dass wir Strategien entwickeln, wie wir mit ihnen umgehen wollen“, fasste Koppmann zusammen. Ziel müsse es sein, die Freie Scholle „zukunftsfest“ zu machen.
Die Wohnzufriedenheits- und Imageanalyse vom Frühjahr dieses Jahres hatten gezeigt, dass die Genossenschaft diesen Diskussionsprozess von einem soliden Fundament aus führen kann. Gleichwohl gibt es Verbesserungspotenziale, die zu einer Festigung der Marktposition beitragen können. Dementsprechend war es Aufgabe der vier Arbeitsgruppen, hierfür Impulse zu geben. Im Mittelpunkt der Diskussion stand dabei die Frage „Was müssen, was können und was wollen wir ändern?“
Dass es sinnvoll ist, sich mit dieser Fragestellung auseinanderzusetzen, machte der österreichischen Zukunftsforschers Harry Gatterer deutlich. In seinem Vortrag „Wohnen in der Zukunft“ zeigte er eindrucksvoll auf, dass unterschiedlichste Lebensstile völlig neue und aus heutiger Sicht vielleicht auch überraschende Anforderungen an das Wohnen und die Nachbarschaften stellen werden. Gleichzeitig werden überschaubare Nachbarschaften gerade angesichts der Globalisierung eine immer größere Rolle spielen. Nicht zuletzt deshalb solle die Freie Scholle diesen Prozess als Chance begreifen, riet er.
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